Thrombose
Venöse Thromboembolie (VTE)
Eine Thrombose ist die Bildung eines Blutgerinnsels in einem Blutgefäß, das eine Vene (venöse Thromboembolie) oder Arterie (arterielle Thromboembolie) verstopft. Venöse und arterielle Thromboembolien sind für eine Reihe von schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen verantwortlich.
Die venöse Thromboembolie (VTE) umfasst sowohl die tiefe Venenthrombose (TVT), die meist in den Bein- oder Beckenvenen auftritt, als auch die Lungenembolie (LE). Eine Lungenembolie entsteht, wenn sich ein Thrombus aus den Venen ablöst und in die Lungenarterien wandert. Neben dem tiefen Venensystem kann zudem auch das oberflächliche Venensystem von einem Thrombus verschlossen sein, hier spricht man von einer oberflächlichen Venenthrombose (OVT, Thrombophlebitis). Auch die oberflächliche Venenthrombose kann eine Lungenembolie zur Folge haben, wenn sie in das tiefe Venensystem einwächst.
Thrombosen können aber auch in Arterien entstehen (arterielle Thrombose) und schwerwiegende Ereignisse wie Schlaganfall oder akutes Koronarsyndrom (ACS) auslösen. Das ACS umfasst drei klinische Erscheinungsbilder, den Nicht-ST-Strecken-Hebungsmyokardinfarkt (NSTEMI/ NSTE ACS), den ST-Strecken-Hebungsmyokardinfarkt (STEMI/ STE ACS) und die stabile Angina pectoris.
In der EU sterben mehr Menschen an venösen Thromboembolien (VTE) als an AIDS, Brustkrebs, Prostatakrebs und Verkehrsunfällen zusammen.1 63% aller venösen Thromboembolien treten während oder nach einem Aufenthalt im Krankenhaus auf und sind damit die häufigste vermeidbare Todesursache im Krankenhaus.1,2 Das Thromboserisiko sollte bei ambulanten und stationären Patienten individuell abgeschätzt werden, um ggf. geeignete präventive Maßnahmen festzulegen. Damit können Thromboembolien und das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen reduziert werden.
Wie kann ich im Alltag einer Thrombose vorbeugen?
Regelmäßige Bewegung, Gehen, Radfahren oder Schwimmen, beansprucht die Fuß- und Beinmuskulatur und verbessert damit den venösen Rückfluss des Blutes. Auch eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichendes Trinken tragen zur Venengesundheit bei. Hier finden Sie einfache Venenübungen, die fast überall durchgeführt werden können:
Fragen und Antworten rund um das Thema Venöse Thromboembolie (VTE)
Welche Symptome sind typisch für eine tiefe Venenthrombose?
Typische Symptome einer tiefen Venenthrombose sind eine einseitige Schwellung, Druckschmerz, Spannungsgefühl, Zyanose oder Überwärmung der betroffenen Extremität. Die klassischen klinischen Zeichen nach Meyer, Homans oder Payr sind Druckschmerzhaftigkeit an der Medialseite des Unterschenkels, Schmerzen in der Wade bei Dorsalflexion des Fußes oder Fußsohlenschmerz bei Druck auf die Fußsohle. Diese klinischen Hinweise sind jedoch unspezifisch und reichen zur Diagnosestellung allein nicht aus. Eine Thrombose kann aber auch symptomarm oder asymptomatisch verlaufen - bei jedem Verdacht auf eine Thrombose sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Quellen:
- S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) Version 4.0 – Stand Januar 2026. AWMF-Registernummer: 003 – 001. Verfübar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/065-002l_S2k_Venenthrombose-Lungenembolie_2023-09.pdf. Zugriff am 01.04.2026.
- B. Linnemann et. al.: Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie – AWMF-S2k-Leitlinie. Stand: 11.01.2023. Verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002. Zugriff am: 01.04.2026.
- Webseite des Aktionsbündnis Thrombose: https://www.risiko-thrombose.de/vorsorge-38.html. Zugriff am 01.04.2026.
Welche Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose zu entwickeln?
Eine Vielzahl von Faktoren können das Risiko, eine VTE zu entwickeln, erhöhen. Dabei bestimmen dispositionelle und expositionelle Risiken das individuelle VTE-Risiko. Zu den dispositionellen Risiken zählen z. B. schwere vererbte oder erworbene Gerinnungsstörungen, aktive Krebserkrankungen, frühere Thrombosen, höheres Alter oder chronische Erkrankungen, die das Grundrisiko dauerhaft erhöhen. Expositionelle Risiken sind zeitlich begrenzte Faktoren wie Operationen, Immobilisation oder akute Erkrankungen. Je mehr dieser Faktoren zusammentreffen, desto stärker steigt das individuelle Thromboserisiko. Leitlinien empfehlen daher eine individuelle situationsabhängige Risikoabschätzung. In bestimmten Risikokonstellationen kann es sinnvoll sein, nicht medikamentöse oder medikamentöse Maßnahmen zur Prophylaxe der VTE zu ergreifen.
Quellen:
- S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) Version 4.0 – Stand Januar 2026. AWMF-Registernummer: 003 – 001. Verfübar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/065-002l_S2k_Venenthrombose-Lungenembolie_2023-09.pdf. Zugriff am 01.04.2026.
- B. Linnemann et. al.: Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie – AWMF-S2k-Leitlinie. Stand: 11.01.2023. Verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002. Zugriff am: 01.04.2026.
- Webseite des Aktionsbündnis Thrombose: https://www.risiko-thrombose.de/vorsorge-38.html. Zugriff am 01.04.2026.
Wie erfolgt die Diagnose einer tiefen Beinvenenthrombose?
Bei Verdacht auf eine Thrombose beginnt die Diagnose in der Regel mit der Abschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit anhand von validierten Scores (z. B. Wells-Score). Etablierte Diagnosealgorithmen umfassen neben der klinischen Wahrscheinlichkeit, den D-Dimer-Test und die bildgebende Diagnostik. Bei den bildgebenden Verfahren gilt die duplexunterstützte vollständige Kompressionssonografie (dv-KUS) als Methode der Wahl. Das Zusammenspiel aller diagnostischen Maßnahmen erhöht die Sicherheit einer korrekten Diagnose und erleichtert damit die Einleitung geeigneter Therapiemaßnahmen.
Quellen:
- S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) Version 4.0 – Stand Januar 2026. AWMF-Registernummer: 003 – 001. Verfübar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/065-002l_S2k_Venenthrombose-Lungenembolie_2023-09.pdf. Zugriff am 01.04.2026.
- B. Linnemann et. al.: Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie – AWMF-S2k-Leitlinie. Stand: 11.01.2023. Verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002. Zugriff am: 01.04.2026.
- Webseite des Aktionsbündnis Thrombose: https://www.risiko-thrombose.de/vorsorge-38.html. Zugriff am 01.04.2026.
Wie wird eine tiefe Venenthrombose behandelt?
Bei einer diagnostizierten tiefen Beinvenenthrombose oder einem Verdacht mit hoher klinischer Wahrscheinlichkeit sollte die Akutbehandlung ohne Verzögerung begonnen werden. Das Ziel dabei ist, das appositionelle Wachstum des Thrombus zu verhindern und damit das Risiko für Entstehung einer Lungenembolie zu reduzieren. Dabei werden vorzugsweise Antikoagulanzien eingesetzt, sofern keine speziellen Gründe dagegen vorliegen. Es werden die Phasen der Initialtherapie (meist 5-21 Tage), der Erhaltungstherapie (mindestens 3-6 Monate) und der Sekundärprophylaxe (keine zeitliche Befristung) unterschieden. In Abhängigkeit von der jeweiligen Therapiephase können parenterale oder orale Antikoagulanzien zur Anwendung kommen. Neben der Behandlung mit Antikoagulanzien dient die Kompressionstherapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen oder Kompressionsverbänden, Schmerzen und Schwellungen zu lindern und langfristig das Auftreten und die Schwere des Postthrombotischen Syndroms zu vermindern. In ausgewählten schweren Fällen können interventionelle Maßnahmen erwogen werden.
Quellen:
- S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) Version 4.0 – Stand Januar 2026. AWMF-Registernummer: 003 – 001. Verfübar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/065-002l_S2k_Venenthrombose-Lungenembolie_2023-09.pdf. Zugriff am 01.04.2026.
- B. Linnemann et. al.: Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie – AWMF-S2k-Leitlinie. Stand: 11.01.2023. Verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002. Zugriff am: 01.04.2026.
- Webseite des Aktionsbündnis Thrombose: https://www.risiko-thrombose.de/vorsorge-38.html. Zugriff am 01.04.2026.
Wie wird eine oberflächliche Venenthrombose behandelt?
Die Behandlung der oberflächlichen Venenthrombose zielt darauf ab, eine Ausdehnung des Thrombus in das tiefe Venensystem zu verhindern, um das Risiko für eine Lungenembolie zu minimieren und Symptome zu lindern. Die Diagnostik erfolgt primär klinisch, sollte jedoch immer durch eine Duplexsonografie ergänzt werden, um die Thrombusgröße zu bestimmen und eine Beteiligung des tiefen Venensystems auszuschließen. Bei unkomplizierter, kurzstreckiger, nicht in der Nähe des tiefen Venensystems gelegener OVT stehen Lokaltherapie, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und konsequente Kompressionstherapie im Vordergrund. Die S2k Leitlinie empfiehlt bei isolierter, längerstreckiger OVT der unteren Extremitäten eine Therapie mit Antikoagulanzien über 45 Tage. Liegt die OVT in unmittelbarer Nähe oder in geringem Abstand zur Einmündung ins tiefe Venensystem, sind die Antikoagulationsprinzipien der tiefen Venenthrombose anzuwenden. Eine operative oder interventionelle Therapie bleibt Ausnahmefällen vorbehalten, etwa bei fortschreitender Thrombose trotz adäquater Antikoagulation.
Quellen:
- S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) Version 4.0 – Stand Januar 2026. AWMF-Registernummer: 003 – 001. Verfübar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/065-002l_S2k_Venenthrombose-Lungenembolie_2023-09.pdf. Zugriff am 01.04.2026.
- B. Linnemann et. al.: Diagnostik und Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie – AWMF-S2k-Leitlinie. Stand: 11.01.2023. Verfügbar unter: https:/register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-002. Zugriff am: 01.04.2026.
- Webseite des Aktionsbündnis Thrombose: https://www.risiko-thrombose.de/vorsorge-38.html. Zugriff am 01.04.2026.
Referenzen
- Cohen AT, Agnelli G, Anderson FA, et al. Venous thromboembolism (VTE) in Europe. Thromb Haemost. 2007;98:756-764.
- Wakefield T.W., McLafferty R.B., Lohr J.M., Caprini J.A., Gillespie D.L., Passman M.A. Executive Committee of the American Venous Forum. Call to action to prevent venous thromboembolism. J Vasc Surg. 2009;49(6):1620–1623.
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