Akne Vulgaris

Klinische Darstellung entzündlicher Akne Vulgaris Läsionen im Bereich von Wange und Kiefer zur Illustration der Diagnose.

 

Akne vulgaris ist eine der häufigsten Hauterkrankungen weltweit und betrifft nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene.

Sie entsteht, wenn die Haarfollikel in der Haut durch überschüssigen Talg, abgestorbene Hautzellen und Bakterien verstopfen. Dies führt zur Bildung von Mitessern, Papeln und Pusteln. In schwereren Fällen können schmerzhafte Knoten und Narbenbildung auftreten. Die Hauptursachen für Akne sind hormonelle Veränderungen, insbesondere während der Pubertät, aber auch genetische Faktoren, Ernährung und Stress spielen eine Rolle.1 Die entzündlichen Veränderungen der Talgdrüsen können zu Narbenbildung und psychosozialer Belastung führen – insbesondere bei chronischen oder schweren Verläufen.

Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Erkrankung.

 

Fragen und Antworten rund um die Akne vulgaris

Welche zentralen pathologischen Mechanismen liegen der Akne vulgaris zugrunde?

Die Akne vulgaris entsteht durch ein Zusammenspiel aus Seborrhö, follikulärer Hyperkeratose, bakteriellem Wachstum (Cutibacterium acnes) und entzündlichen Reaktionen. Diese Faktoren führen zur Bildung nichtentzündlicher Komedonen und entzündlicher Läsionen wie Papeln, Pusteln und Knoten. Genetische Disposition, hormonelle Einflüsse und externe Trigger können das Krankheitsbild zusätzlich verstärken.

Quellen:

  • Gollnick H, et al. S2kLeitlinie zur Therapie der Akne vulgaris. AWMFRegister Nr. 013018, 2022.
  • Williams HC, et al. Acne vulgaris. Lancet. 2012;379(9813):361372. doi:10.1016/S01406736(11)603218.
Welche klinischen Schweregrade der Akne werden in der dermatologischen Praxis unterschieden?

Typischerweise wird zwischen Komedonen-Akne, papulopustulöser Akne und nodulozystischer bzw. conglobater Akne differenziert. Die Einteilung orientiert sich an Zahl, Art und Verteilung der Läsionen sowie am Ausmaß der Entzündung. Eine strukturierte Schweregradbeurteilung unterstützt die Ableitung geeigneter Therapieoptionen.

Quellen:

  • Gollnick H, et al. S2kLeitlinie Akne vulgaris. AWMF, 2022.
  • Thiboutot D, et al. J Am Acad Dermatol. 2009;60(5 Suppl):S150. doi:10.1016/j.jaad.2008.12.036.
Welche diagnostischen Schritte sind für die Einordnung der Akne vulgaris essenziell?

Die Diagnose basiert primär auf dem klinischen Befund mit Beurteilung der Effloreszenzen, des Schweregrades und möglicher Narben. Eine Laboranalytik ist nur bei speziellen Fragestellungen indiziert, etwa bei Verdacht auf endokrine Störungen. Differenzialdiagnosen wie Rosazea, Follikulitis oder periorale Dermatitis sollten ausgeschlossen werden.

Quellen:

  • Gollnick H, et al. S2kLeitlinie Akne vulgaris. AWMF, 2022.
  • Zaenglein AL, et al. J Am Acad Dermatol. 2016;74(5):945973.e33. doi:10.1016/j.jaad.2015.12.037.
Welche Rolle spielt Cutibacterium acnes in der Pathogenese?

C. acnes besiedelt das Haarfollikel und trägt über die Freisetzung proinflammatorischer Mediatoren zur Entstehung und Persistenz entzündlicher Läsionen bei. Zudem beeinflusst es die Talgzusammensetzung und verstärkt die follikuläre Hyperkeratose. Ein Überhandnehmen bestimmter bakterieller Subtypen kann die Entzündungsintensität erhöhen.

Quellen:

  • Dreno B, et al. Dermatology. 2018;234(2):7986. doi:10.1159/000487687.
  • Williams HC, et al. Lancet. 2012;379:361372. doi:10.1016/S01406736(11)603218.
Welche epidemiologischen Merkmale kennzeichnen die Akne vulgaris?

Die Erkrankung zählt weltweit zu den häufigsten dermatologischen Krankheitsbildern und betrifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Die Prävalenz im Alter von 12–20 Jahren liegt bei bis zu 80–90 %. Bei etwa 10–20 % persistiert die Erkrankung über das junge Erwachsenenalter hinaus.

Quellen:

  • RKI. Epidemiologie entzündlicher Hauterkrankungen. Robert KochInstitut, 2023.
  • Dawson AL, et al. Br J Dermatol. 2013;168(3):474481. doi:10.1111/bjd.12190.
Welche Risikofaktoren und Trigger können das Erkrankungsbild beeinflussen?

Zu den relevanten Einflussfaktoren zählen hormonelle Schwankungen, genetische Prädisposition, Ernährung (z. B. hoher glykämischer Index) und Rauchen. Zudem können Medikamente wie Lithium oder bestimmte Hormone akneiforme Eruptionen verstärken. Stress und okklusive Hautpflegeprodukte sind weitere mögliche Trigger.

Quellen:

  • Zaenglein AL, et al. J Am Acad Dermatol. 2016;74:945973.e33. doi:10.1016/j.jaad.2015.12.037.
  • Agamia NF, et al. Dermatol Ther. 2020;33(6):e14130. doi:10.1111/dth.14130.
Welche Komplikationen können bei unbehandelter oder schwerer Akne auftreten?

Neben persistierenden entzündlichen Läsionen kann es zu atrophen oder hypertrophen Narben kommen. Postinflammatorische Hyper- oder Hypopigmentierungen treten besonders bei dunkleren Hauttypen auf. Auch psychosoziale Belastungen wie Scham, Rückzugstendenzen oder vermindertes Selbstwertgefühl sind häufige Folgen.

Quellen:

  • Tan J, et al. J Cutan Med Surg. 2008;12(5):227233. doi:10.2310/7750.2008.07072.
  • Layton AM. Br J Dermatol. 2017;176(1):34. doi:10.1111/bjd.15065.
Wie erfolgt die leitlinienorientierte Therapieableitung je nach Schweregrad?

Die Behandlung erfolgt stufenweise: Bei leichten Formen stehen topische Therapieoptionen im Vordergrund, bei mittelschwerer bis schwerer Akne kann eine Kombination mit systemischen Optionen erfolgen. Ziel ist immer eine langfristige Entzündungsreduktion, Prävention neuer Läsionen und Minimierung von Narben. Die Auswahl hängt vom Schweregrad, betroffener Körperregion und individuellen Faktoren ab.

Quellen:

  • Gollnick H, et al. S2kLeitlinie Akne vulgaris. AWMF, 2022.
  • Nast A, et al. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2016;30(8):12611268. doi:10.1111/jdv.13654.
Wie wird Akne bei erwachsenen Patienten („Acne tarda“) bewertet?

Bei Erwachsenen sind oft hormonelle Faktoren, Stress und kosmetische Produkte beteiligt. Das klinische Bild zeigt häufiger entzündliche Läsionen im unteren Gesichtsdrittel. Diagnostisch müssen endokrine Störungen, medikamentöse Ursachen und Differenzialdiagnosen berücksichtigt werden.

Quellen:

  • Zeichner JA, et al. J Clin Aesthet Dermatol. 2017;10(1):3746.
  • Rivera R, et al. Int J Womens Dermatol. 2020;6(1):5257. doi:10.1016/j.ijwd.2019.08.007.
Welche Bedeutung haben Ernährung und Lebensstil in der AkneTherapie?

Eine generelle „Akne-Diät“ existiert nicht, jedoch zeigen Studien Hinweise auf eine mögliche Relevanz eines hohen glykämischen Index und Milchprodukten. Stressreduktion, regelmäßiger Schlaf und geeignete Hautpflege können unterstützend wirken. Lebensstilmaßnahmen ersetzen keine leitliniengerechte Therapie, können diese aber sinnvoll ergänzen.

Quellen:

  • Baldwin HE, et al. J Clin Aesthet Dermatol. 2020;13(2):2838.
  • Fabbrocini G, et al. Clin Dermatol. 2017;35(2):160166. doi:10.1016/j.clindermatol.2016.10.008.
Welche Rolle spielt die Patientenaufklärung in der dermatologischen Versorgung?

Fundierte Aufklärung unterstützt Therapieadhärenz und verhindert Fehlanwendungen, die Wirksamkeit oder Verträglichkeit beeinträchtigen könnten. Themen wie richtige Hautpflege, Umgang mit Reizungen sowie realistische Therapieziele sind zentral. Eine strukturierte Beratung fördert langfristige Kontrolle des Krankheitsbildes.

Quellen:

  • Gollnick H, et al. S2kLeitlinie Akne vulgaris. AWMF, 2022.
  • Nast A, et al. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2016;30:12611268. doi:10.1111/jdv.13654.
Warum ist eine frühzeitige Therapie wichtig?

Frühe und leitlinienorientierte Behandlung kann das Risiko permanenter Narben und psychosozialer Belastungen reduzieren. Zudem lässt sich durch konsequente Therapie das Fortschreiten entzündlicher Prozesse eindämmen. Eine rechtzeitige Intervention verbessert die langfristigen klinischen Ergebnisse deutlich.

Quellen:

  • Layton AM. Br J Dermatol. 2017;176(1):34. doi:10.1111/bjd.15065.
  • Zaenglein AL, et al. J Am Acad Dermatol. 2016;74:945973.e33. doi:10.1016/j.jaad.2015.12.037.

 

Referenzen

  1. Williams HC, et al. Acne vulgaris. Lancet. 2012 Jan 28;379(9813):361-72.
  2. Feldman S, et al. Diagnosis and treatment of acne. Am Fam Physician.2004;69:2123–2130.
  3. Thiboutot D, et al. New insights into the management of acne: an update from the Global Alliance to Improve Outcomes in Acne group. J Am Acad Dermatol. 2009 May;60(5 Suppl):S1-50.
  4. Krakowski AC, et al. Practical considerations in acne treatment and the clinical impact of topical combination therapy. Pediatr Dermatol. 2008 Jun;25 Suppl 1:1-14.
  5. Gollnick, H.P., et al. A consensus-based practical and daily guide for treatment of acne patients J Eur Acad Dermatol Venereol. 2016 Sep;30(9):1480-90.

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