Allergie
Allergische Rhinitis
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In Deutschland derzeit ca. 30 Millionen Menschen als Allergiker.1
Die allergische Rhinitis ist die häufigste Immunkrankheit mit weiterhin steigender Tendenz in der Bevölkerung. Aktuell ist fast jeder vierte Erwachsene in Deutschland von dieser chronischen Erkrankung betroffen.2
Der Körper reagiert auf an sich harmlose Stoffe bzw. Substanzen. Allergieauslösende Stoffe sind z.B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze. Folgende Symptome können bei einer allergischen Rhinitis auftreten:
Symptome und Komorbidität der allergischen Rhinitis3:

Insbesondere als Folge von Schlafstörungen leiden viele Allergiker an eingeschränkter Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Insgesamt fühlen sich Allergie-Patienten stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt.
Bislang wurde klinisch unterteilt in eine saisonale Form, dem typischen „Heuschnupfen“ und eine ganzjährige Form (perenniale Allergische Rhinitis). Um der Tatsache gerecht zu werden, dass viele Allergene und damit auch die Beschwerden das ganze Jahr über hinweg auftreten, wird mittlerweile die Dauer der Symptomatik in den Vordergrund gestellt und von einer „intermittierenden“ (zeitweiligen) und einer „persistierenden“ (dauerhaften) Form gesprochen.
Von zentraler Bedeutung sind bei dieser Klassifizierung die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten, gemessen an dem Schweregrad der Symptomatik und der Häufigkeit ihres Auftretens. Hat der Patient weniger als 4 Tage in der Woche bzw. weniger als 4 Wochen im Jahr Beschwerden, liegt eine intermittierende Form der Allergischen Rhinitis vor. Treten die Symptome hingegen häufiger als 4 Tage pro Woche bzw. mehr als 4 Wochen pro Jahr auf, spricht das für die persistierende Form.
Klassifizierung der allergischen Rhinitis (Weißbuch Allergie 2018, mod. nach WHO/ARIA)4:

*Lebensqualität: bezogen auf Schlafqualität, schulische und berufliche Leistungen, Alltagstätigkeiten sowie sportliche Aktivitäten
Fragen und Antworten rund um die allergische Rhinitis
Welche immunologischen Mechanismen führen zur allergischen Rhinitis?
Die allergische Rhinitis entsteht durch eine IgE‑vermittelte Entzündungsreaktion der Nasenschleimhaut nach Allergenexposition. Hierbei aktivieren Allergene mastzellgebundene IgE‑Antikörper, was zur Ausschüttung von Mediatoren wie Histamin, Leukotrienen und Prostaglandinen führt. Dies verursacht Schleimhautödeme, Hypersekretion und eine neuronale Überempfindlichkeit. Die Reaktion umfasst eine frühe und eine späte Phase mit infiltrierenden Eosinophilen.
Referenzen:
- Klimek L. Allergische Rhinitis – Diagnostik und Therapieoptionen. Drug Res. 2020;70(1):7‑9. doi:10.1055/a-1073-6203.
- Klimek L, Bachert C, Pfaar O, et al. ARIA guideline 2019: treatment of allergic rhinitis in the German health system. Allergol Select. 2019;3(1):22‑50. doi:10.5414/ALX02173E.
Wie häufig ist allergische Rhinitis in Deutschland?
Nach Robert Koch-Institut‑Daten (RKI) ist etwa ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland von allergischer Rhinitis betroffen, mit teils steigender Tendenz. Zudem sind rund ein Drittel der Erwachsenen gegen Inhalationsallergene sensibilisiert, was die Krankheitswahrscheinlichkeit erhöht. Die Lebenszeitprävalenz des ärztlich diagnostizierten Heuschnupfens liegt bei etwa 15 %.
Referenzen:
- Bergmann KC, Heinrich J, Niemann H.Current status of allergy prevalence in Germany: Position paper of the Environmental Medicine Commission of the Robert Koch Institute. Allergo J Int. 2016;25:6-10. doi:10.1007/s40629-016-0092-6.
- Weißbuch Allergie in Deutschland, Klimek L, Vogelsberg C und Worm M, 5. Auflage, Springer Medizin Verlag 2025.
Welche wichtigsten Auslöser verursachen allergische Rhinitis?
Zu den Hauptallergenen gehören saisonale Pollen (z. B. von Bäumen wie Hasel oder Birke sowie von Gräsern), Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilze. Die Exposition führt zur Sensibilisierung und bei erneutem Kontakt zur Immunglobulin E‑vermittelten (IgE) Entzündung. Regionale Pollenbelastungen beeinflussen die saisonale Symptomatik erheblich.
Referenzen:
- Klimek L, Bachert C, Pfaar O, et al. ARIA guideline 2019: treatment of allergic rhinitis in the German health system. Allergol Select 2019;3(1):22‑50. doi:10.5414/ALX02173E.
- Weißbuch Allergie in Deutschland, Klimek L, Vogelsberg C und Worm M, 5. Auflage, Springer Medizin Verlag 2025.
Wie erfolgt die leitliniengemäße Diagnostik der allergischen Rhinitis?
Die Diagnostik basiert auf Anamnese, Klassifikation nach Dauer und Schweregrad sowie der Bestätigung einer Sensibilisierung mittels Hauttest oder spezifischem IgE. Zusätzlich können nasale Provokationstests indiziert sein, wenn Befunde nicht eindeutig sind. Die ARIA Leitlinien (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma, ARIA) und DGAKI Leitlinien (Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, DGAKI) empfehlen eine strukturierte, symptombasierte Diagnostik.
Referenzen:
- Klimek L, Bachert C, Pfaar O, et al. ARIA guideline 2019: treatment of allergic rhinitis in the German health system. Allergol Select. 2019;3(1):22‑50. doi:10.5414/ALX02173E.
Welche Klassifikation der Schweregrade wird international empfohlen?
Die ARIA‑Leitlinie unterscheidet zwischen intermittierender und persistierender sowie zwischen leichter und moderater/schwerer Rhinitis. Kriterien sind u. a. Schlafqualität, Alltagsfunktion, Arbeits‑/Schulbeeinträchtigung und Belastung der Lebensqualität. Die Einteilung hilft, die Therapie individuell zu diagnostizieren und zu therapieren.
Referenzen:
- Klimek L, Bachert C, Pfaar O, et al. ARIA guideline 2019: treatment of allergic rhinitis in the German health system. Allergol Select. 2019;3(1):22‑50. doi:10.5414/ALX02173E.
- Weißbuch Allergie in Deutschland, Klimek L, Vogelsberg C und Worm M, 5. Auflage, Springer Medizin Verlag 2025.
Welche Rolle spielt die allergenspezifische Immuntherapie (AIT)?
Die Allergenspezifische Immuntherapie ist die einzige kausale Therapieform und kann langfristig Krankheitsprogression und Neusensibilisierungen reduzieren. Sie empfiehlt sich bei gesicherter IgE‑Sensibilisierung und relevanten Symptomen trotz leitliniengerechter Pharmakotherapie. Die Leitlinien von DGAKI (Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie) und AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) betonen ihre Wirksamkeit und Sicherheit bei korrekt ausgewählten Patienten.
Referenzen:
- Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). S2k-Leitlinie Allergen-Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. AWMF-Register Nr. 061-004;2022.Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/061-004 (Zugriff: 14.04.2026).
- Klimek L, Bachert C, Pfaar O, et al. ARIA guideline 2019: treatment of allergic rhinitis in the German health system. Allergol Select. 2019;3(1):22‑50. doi:10.5414/ALX02173E.
Welche pharmakologischen Basistherapien gelten als Standard?
Die Leitlinien empfehlen eine stufenweise Eskalation nach Schweregrad der Erkrankung. Intranasale oder orale Antihistaminika eignen sich bei leichten Beschwerden. Intranasale Kortikosteroide sind effektiv bei moderaten bis schweren Symptomen. Fixkombinationen aus einem intranasalen Antihistaminikum und einem intranasalen Steroid gelten heute als wirksamste Therapieform der Allergischen Rhinitis und bei der persistierenden, schweren allergischen Rhinitis als Therapiestandard. Metananalysen belegen, dass eine Fixkombination aus Azelastin und Fluticason alle nasalen und okulären Symptome signifikant stärker lindert als Monotherapien.
Referenzen:
- Sousa-Pinto B, Bousequet J, Vieira RJ, et al. Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA)-EAACI Guidelines—2024–2025 Revision: Part I—Guidelines on Intranasal Treatments. Allergy, 2025; 0:1–23. doi:10.1111/all.70131.
- Weißbuch Allergie in Deutschland, Klimek L, Vogelsberg C und Worm M, 5. Auflage, Springer Medizin Verlag 2025.
- Klimek L, Berger WE, Bousquet J, et al. MP-AzeFlu in Moderate-to-Severe Allergic Rhinitis: A Literature Review. Int Arch Allergy Immunol. 2021;182(11):1026-1035. doi:10.1159/000516417.
- Sousa-Pinto B, Vieira RJ, Bognanni A, et al. Efficacy and safety of intranasal medications for allergic rhinitis: Network meta-analysis. Allergy 2024; 00:1-12. doi:10.1111/all.16384.
Welche Komplikationen können im Verlauf auftreten?
Eine unbehandelte allergische Rhinitis kann zu allergischem Asthma, chronischer Sinusitis, Schlafstörungen und Leistungsabfall führen. Epidemiologische Daten zeigen ein erhöhtes Risiko für Asthmaentwicklung bei früher Rhinitis im Kindesalter. Auch rezidivierende Sinusitiden und Konjunktivitis treten häufig assoziiert auf.
Referenzen:
- Asher MI, Montefort S, Björkstén B, et al. Worldwide time trends in the prevalence of asthma, allergic rhinoconjunctivitis and eczema in childhood: ISAAC. Lancet. 2006;368:733‑743. doi:10.1016/S0140-6736(06)69283‑0.
- ECARF. Allergien in Deutschland – Zahlen & Fakten. 2023. https://www.ecarf.org/info-portal/allgemeine-allergie-infos/allergien-zahlen-und-fakten/ (Zugriff: 14.04.2026).
- Weißbuch Allergie in Deutschland, Klimek L, Vogelsberg C und Worm M, 5. Auflage, Springer Medizin Verlag 2025.
Welche epidemiologischen Trends zeigen RKI‑Daten?
Die Prävalenz allergischer Erkrankungen in Deutschland ist hoch und seit den 1970er‑Jahren stark angestiegen. Gesundheitsmonitoring‑Daten zeigen zudem eine stabile, aber hohe Sensibilisierungsrate gegen Inhalationsallergene. Besonders bei Kindern nimmt die Häufigkeit allergischer Rhinitis weiter zu.
Referenz:
- Robert Koch-Institut. Allergien – Gesundheitsmonitoring. 2024. https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Studien-und-Surveillance/Studien_inhalt.html?templateQueryString=Gesundheitsmonitoring+2024 (Zugriff: 14.04.2026).
Welche prädisponierenden Faktoren begünstigen allergische Rhinitis?
Genetische Disposition, atopische Familienanamnese und Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, Innenraumallergene und allergenreiche Pollenexposition erhöhen das Risiko. Epidemiologische Studien zeigen zudem Einflüsse durch Urbanisierung, Klimaänderungen und Lebensstilfaktoren.
Referenzen:
- Bergmann KC, Brehler R, Ender C et al. Impact of climate change on allergic diseases in Germany. J Health Monit 2023; 8: 76-102.
- Weißbuch Allergie in Deutschland, Klimek L, Vogelsberg C und Worm M, 5. Auflage, Springer Medizin Verlag 2025.
Welche Versorgungslücken bestehen in Deutschland?
Laut RKI bleiben viele Betroffene unterdiagnostiziert und erhalten keine leitliniengerechte Therapie. Besonders spezialisierte allergologische Diagnostik und AIT sind unterrepräsentiert, obwohl die Krankheitslast hoch ist. Systematische Versorgungskonzepte und frühzeitige Diagnostik werden von Fachgesellschaften gefordert.
Referenzen:
- Weißbuch Allergie in Deutschland, Klimek L, Vogelsberg C und Worm M, 5. Auflage, Springer Medizin Verlag 2025.
- Robert Koch-Institut. Allergien – Gesundheitsmonitoring. 2024. https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Studien-und-Surveillance/Studien_inhalt.html?templateQueryString=Gesundheitsmonitoring+2024 (Zugriff: 14.04.2026).
Referenzen
- Klimek L, et al. Weißbuch Allergie in Deutschland. Vol. 4. 2018: Springer Medizin. S. 13.
- Klimek L, et al. Weißbuch Allergie in Deutschland. Vol. 4. 2018: Springer Medizin. S. 110.
- Klimek L, et al. Weißbuch Allergie in Deutschland. Vol. 4. 2018: Springer Medizin. S. 112.
- Klimek L, et al. Weißbuch Allergie in Deutschland. Vol. 4. 2018: Springer Medizin. S. 111.
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